Tatarstan

Tatarstan
Tạtarstan,
 
Tatari|en, Republik Tạtarstan, russisch Tatạrskaja Respụblika, Respụblika Tạtarstan, Teilrepublik der Russischen Föderation, 68 000 km2, (2000) 3,78 Mio. Einwohner, Hauptstadt ist Kasan. Tatarstan umfasst im Wesentlichen das flachwellige Tiefland an der mittleren Wolga, die hier zum Samaraer Stausee aufgestaut ist, und an der unteren Kama. Die Niederung geht westlich der Wolga in die stark zertalten, steil nach Osten abfallenden Wolgahöhen, im Nordwesten in den Wjatka-Uwal, im Südosten in die in Tatarstan bis 365 m über dem Meeresspiegel aufsteigenden Bugulma-Belebejer Höhen über. Das Klima ist gemäßigt kontinental mit Durchschnittstemperaturen zwischen 18,7 ºC und 19,6 ºC im Juli und zwischen —13 ºC und —14,8 ºC im Januar; die Jahresniederschläge erreichen 420-510 mm im Norden und 360-400 mm im Südosten. Wälder (besonders Laubgehölze) bedecken 16 %, Gewässer 5 % der Oberfläche. In Tatarstan liegt der 8 040 ha große Wolga-Kama-Nationalpark.
 
Nach der Volkszählung von 1989 waren von den Bewohnern 48,5 % Tataren, 43,3 % Russen, 3,7 % Tschuwaschen, 0,9 % Ukrainer und 3,6 % Angehörige anderer Nationalitäten. Etwa drei Viertel der Bewohner leben in Städten.
 
Tatarstan, gelegen im Wolga-Ural-Erdölgebiet, gehört zu den wirtschaftlich am besten entwickelten Republiken der Russischen Föderation und hat weitgehende wirtschaftliche Autonomie. Neben einer bedeutenden Industrie existiert eine umfangreiche Landwirtschaft; Ackerflächen nehmen 54 %, Wiesen und Weiden 12 % der Landesfläche ein. Innerhalb der Industrie haben der Erdölsektor mit Erdölförderung und Erdgasgewinnung sowie die darauf aufbauende petrolchemische Industrie und der Maschinen- und Lkw-Bau sowie die Rüstungsindustrie größte Bedeutung. Außerdem sind Pelz-, Leder-, Nahrungsmittel- und Textilindustrie wichtig. Energiegrundlage bilden das Wärmekraftwerk Sajnsk (2 400 MW) und das Wolgawasserkraftwerk Untere Kama bei Naberschnyje Tschelny. Neben Kasan sind Selenodolsk, Nabereschnyje Tschelny, Jelabug, Nischnekamsk, Almetjewsk, Tschistopol und Bugulma wichtige Industriestandorte. Die Landwirtschaft ist auf den Anbau von Getreide und Futterpflanzen sowie auf die Milch- und Fleischtierzucht ausgerichtet. Das Verkehrsnetz ist relativ gut ausgebaut (Schifffahrt auf Wolga, Kama, Wjatka und Belaja); in Almetjewsk beginnt die Erdölleitung Freundschaft). Mehrere Mineralquellen führten zur Entstehung von Kurorten.
 
 
Auf dem Gebiet des heutigen Tatarstan wurde im 10. Jahrhundert von den Wolgabulgaren ein Reich gegründet, das die Mongolen 1237-41 eroberten und der Goldenen Horde einverleibten. Das im 15. Jahrhundert aus dieser hervorgegangene Khanat von Kasan fiel 1552 unter die Herrschaft Russlands (Einnahme der Hauptstadt durch Truppen unter Iwan IV., bis 1557 und wiederholt danach Aufstände der Tataren u. a. Bevölkerungsteile). In der Folgezeit wurde das Gebiet an der Wolga zunehmend von Russen besiedelt (v. a. die Städte). Im 18. Jahrhundert führte die von Russland betriebene Zwangschristianisierung der muslimischen Tataren (verbunden mit der Zerstörung Hunderter Moscheen) zur verstärkten Auswanderung, u. a. nach Mittelasien und Sibirien. Insbesondere die tatarischen Kaufleute wurden ein vermittelndes Element zwischen Russland und den außerhalb seines Machtbereichs liegenden muslimischen Gebieten. V. a. in Kasan entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein hochgebildetes tatarisches Bürgertum; in dieser Zeit war Tatarstan das am weitesten entwickelte Gebiet mit muslimischer Stammbevölkerung im Zarenreich. In dem sich an die bolschewistische Oktoberrevolution anschließenden Bürgerkrieg wurde Tatarstan hart umkämpft. 1918 wurde eine kurzlebige »Tatarisch-Baschkirische Sowjetrepublik« gegründet. Am 27. 5. 1920 errichtete die Regierung der Bolschewiki die Tatarische ASSR innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR); sie erklärte sich am 30. 8. 1990 für souverän. Nach dem Zerfall der UdSSR (1991) blieb die autonome Republik der Tataren (»Republik Tatarstan«), obwohl sie den Föderationsvertrag vom 31. 3. 1992 nicht unterzeichnete, mit der Russischen Föderation verbunden, strebte aber auf der Basis eines bilateralen Vertrags mit Russland weitgehende Souveränitätsrechte an (am 15. 4. 1994 Abschluss eines Grundlagenvertrages).

Universal-Lexikon. 2012.

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